Varianz

Varianz bedeutet eine Abweichung von der Norm.

Ich schweife ein bischen aus und komme zum Thema Fussball:

Wir schauen uns die Vereinsmeister der letzten 15 Jahre an. Obwohl es kaum jemand bestreitet, das Bayern München in den letzten 15 Jahren im deutschen Fussball immer das beste Team auf die Beine gestellt hat, sind sie seitdem nur in 9 von 15 Jahren Meister geworden.

Wie kann das sein?

Fussball ist ebenso wie Poker ein sehr Varianzreiches Spiel:

  • Ein Torwartfehler entscheidet ein ganzes Spiel
  • Eine falsche Schiedsrichter Entscheidung verfälscht das Ergebnis
  • Ein fehlerhafter Rasen verhindert bei einem Aufsetzer ein Tor
  • Dem Stürmer verrutscht der Ball in 100%tiger Schussposition

 

Diese Liste ließe sich beliebig weiterführen. Eines haben diese Beispiele alle gemeinsam, sie stellen eine Abweichung der Norm da. Dem Torwart passiert das Missgeschick nur alle 100 gefangene Bälle. Der Stürmer macht den Ball in 100% Schussposition in 9 von 10 Fällen rein...

Diese kurzfristige Abweichung der Norm entscheidet ganze Spiele und kann die Meisterschaft entscheiden.

Das ist der Grund warum Bayern München nun trotz des besten Teams nicht jedes Jahr Meister geworden ist.

Aber eins fällt auf, sie sind zu 60% Meister geworden, damit waren sie erfolgreicher als alle anderen Teams zusammen.

 

Aufs Poker bezogen bedeutet das:

Man wird nicht jede Hand gewinnen, man wird auch nicht jede Session gewinnen, nein, man wird nicht einmal jede Woche gewinnen,

doch als solider Grinder mit einem guten Rakeback Deal wird man auf den Monat gesehen immer im Plus sein.

 

Wir müssen verstehen, das es nicht nur eine negative Varianz, sondern auch eine positive Varianz gibt.

Spieler neigen dazu, Verluste der Varianz zuzuschreiben, und Gewinne der eigenen Spielstärke. Das ist nicht der Fall. Wenn wir den Eindruck haben, dass alles in Ordnung läuft runnen wir ziemlich sicher über EV. Lasst es mich an folgenden Beispiel erklären:

 

Wir spielen No Limit 100 und bekommen unsere Asse Preflop all in gegen QQ für exakt 200€.

Unsere Asse halten durch. Alles in Ordnung oder? Die Antwort lautet Nein! Wir haben extrem geluckt.

Wie kann das sein? Wir haben unser Geld mit 81% Equity in die Mitte bekommen, das heißt uns standen von diesem Pot nur 162€ zu.

Dadurch das wir 200€ bekommen haben, sind wir 38€ über unseren Erwartungswert.

Also haben wir mathematisch gesehen ein up, bzw. in der Hand Glück gehabt.

Wir sind exakt 38€ über EV.

Wenn alle unsere besseren Hände nun mit 90%, 70% oder 55% durchhalten lucken wir extrem, und sind ziemlich schnell 1.000€ über EV.

Beim anschließenden Down ist das Gejammer dann groß, obwohl sich das vorherige Up einfach nur ausgleicht.

Grundsätzlich hat man als guter Spieler sowieso immer das Gefühl,

der "größte Pechvogel der Welt" zu sein, da mein sein Geld normalerweise als Favorit in die Mitte stellt, und somit von schlechteren Händen ausgesuckt wird.

 

Die eigenen schlechteren Hände foldet man aber und hat somit keine Möglichkeit den Gegner ebenso auszusucken! Und da liegt der langfristige Gewinn.

Wenn du jemand bist, der gerne rumjammert, höre auf damit. Es will niemand hören. Arbeite an deinem Spiel und maximiere deinen EV.

 

Hier noch einmal einige Grundpfeiler der Warscheinlichkeitsrechnung:

  1. Laut dem Gesetz der großen Zahl nähert sich die die relative Warscheinlichkeit mit wachsenden gespielten Händen immer mehr der theoretischen Warscheinlichkeit an.
  2. Poker ist ein Strategiespiel mit einem Glücksfaktor, welcher kurzfristig gesehen massiv sein kann.
  3. Auf 10 Millionen Hände gesehen ist Poker ein reines Strategiespiel
  4. Die Kartenverteilung gleicht sich langfristig aus.
  5. 81% Equity sind keine 100% Equity, 19 von 100 Händen werden verloren.

 

Wenn ihr mehr über das Gesetz der Großen Zahl und einem anschaulichen Münzbeispiel erfahren wollt klickt hier.

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